Die Eiszeit hat unseren Ort geprägt

Das Flämingdorf Garrey mit seinem Ortsteil Zixdorf und dem Dorffleck Wüstemark liegt in einer waldreichen, hügeligen Gegend die durch sogenannte „Rummeln oder Rommeln“ eingeschnitten ist. Der Begriff „Rummeln“ stammt aus dem Frühhochdeutschen und bedeutet soviel wie „lärmen , Getöse machen“. Das Wasser, daß nach der Schneeschmelze und bei starken Regengüssen zu reißenden Bächen wurde, macht tatsächlich ein lautes polterndes Getöse - rummelt. Rummeln sind Schluchten, Trockentäler.
Die Entstehung der „Rummeln“ wird auf Schmelswasser der Eiszeit zurückgeführt.
Solche eindrucksvollen Zeugnisse des Eiszeitgeschehens sind z. B. die „Garreyer- und die Neundorfer - Rummeln“. Die „Garreyer Rummel“ beginnt nordwestlich des Dorfes im „Garreyer Kissel“ und erstreckt sich in Richtung Chaussee Neundorf - Klein Marzehns.
Die Rummeln wurden in früheren Zeiten als Verbindungsweg zwischen den Ortschaften genutzt, da noch keine befestigte Straßen bestanden. Die Fahrt durch die steinigen oft vom Schmelzwasser ausgewaschenen „Rummel“ war für Kutscher, Roß und Wagen eine Tortur.

Wie ich von einem älteren Garreyer erfuhr war das Landschaftsbild der
„Neundorfer-Rummeln“ völlig anders als heute. Sie wurde früher auch mir „Große Rummel“ bezeichnet, mit Recht sie hat im ganzen Fläming nicht ihres gleichen. Gleich am Anfang recken sich die Hänge 15 m, teilweise 20 m hoch. Die Ränder fallen außerordentlich steil ab. Die gesamte „Rummel“ war bis zum Ausgang des 1. Weltkrieges Schafweide.
Die Flora bestand hauptsächlich aus Gräsern, Heidekraut, Ginsterbüschen (Rehheede),
Weiß- und Rotdorn und Heckenrosen. Die Hänge hatten damals Terrassen, die von den Schafen ausgetreten wurden. und vielfach nicht mehr zu erkennen sind. Die Wassermassen haben sie geglättet, nur wo das Erdreich lehmig ist sind sie noch erhalten. Die heute noch erkennbaren Terrassen sind bei der Anpflanzung von Bäumen künstlich angelegt worden.
Nach der immer mehr zurückgehenden Schafhaltung wurde der südliche Teil der Rummeln von seinem heutigen Besitzer Schubotz ( heute Stich ) aus Zixdorf mit Kiefern, Tannen und Lärchen bepflanzt. Die Anpflanzungen haben die zerstörende Kraft des Wassers weitgehend gemindert.
Die heute in der Rummeln vorhanden Laubbäume Birken, Eichen, Kastanien, Pappeln, Akazien, Kirschbäume und Holunder Büsche, sind durch Samenstreuung gewachsen.
Neben den Schafhirten gab es im 19 Jh. in Garrey auch Schweinehirten, Gänse- und Rinderhirten. Schweine wurden auf dem Gelände am Neundorfer Weg unweit des Dorfes gehütet (Schweinebrache). Die Gänsehirten hüteten auf den „Bleichplätzen“, am ersten Teich am Neundorfer Weg . Die Wiesen hießen „Bleichplätze“, weil die Frauen hier die Wäsche zum bleichen auslegten.
Ein anderes Phänomen welches wir der Eiszeit zu verdanken haben, sind die zahlreichen „Riesensteine“ auch „Findlinge“ genannt.
Aus den meisten Findlingen wurden, wie fast in jedem Flämingdorf, die Feldsteinkirchen, zahlreiche Mauern, und das berüchtigte Kopfsteinpflaster, errichtet.
In den „Neundorfer Rummeln“ befindet sich heute noch der „Schollensteine“ (im Volksmund „Riesenstein“).

Ein weiterer Findling war der sagenumwobene „Hahnenstein“, ein hoher spitzer Block , 1,50 m hoch zwischen Garrey und Klein Marzehns. Der Sage nach soll sich der Stein an jedem Morgen mit lautem Poltern umgedreht haben, und zwar beim ersten Hahnenschrei.
Wie im Heimatkalender von 1913 zu lesen war, wurde dieser Stein wie auch noch viele große Findlinge in der Nähe Belzigs vor 25 Jahren zersprengt, um beim Bau einiger Überführungen der Bahn Verwendung zu finden. Auch andere „Riesensteine“ wiesen Sprenglöcher auf. Sie haben es nur ihrer Härte zu verdanken, daß sie jetzt noch vorhanden sind. Sie sind schwedisch - finnischen Ursprungs und von dort während der Verglätscherung der norddeutschen Tiefebene angelagert worden.
Ein weiterer „Riesenstein“ ist der „Karlshofer Stein“ er liegt 600 m ostsüdöstlich von Karlshof am Zixdorfer Wald ( Waldkante ).
Bis 1912 mußte sich jeder Bauer gefallen lassen, daß von seinem Acker die Steine unentgeldlich abgesammelt wurden.
Es wurde zum Sammeln von Steinen zum Bau er Verbindungsstraßen zwischen den Ortschaften aufgerufen. Hierzu habe ich im „Heimatfreund“, Kulturspiegel des Kreises Belzig des Jahres 1957, unter Fläminghumor, eine hübsche Geschichte gefunden.
Unter der Überschrift, „Es war damals auch nicht anders“, war folgendes zu lesen:
„Wie oft ärgern wir uns über Menschen, die für die Notwendigkeit des Tages kein Verständnis aufbringen und uns ihrer Querköpfigkeit das Leben schwer machen.“ Solche lieben Mitmenschen hat es zu allen Zeiten gegeben.
Als 1926 die Chaussee in den Fläming gebaut werden sollte, gab es in Garrey Dickschädel, die sich diesem Unternehmen mit Nachdruck in den Weg stellten.
Ein heimattreuer Klein Marzehnser verfaßte nach Fertigstellung der Chaussee schadenfroh ein Gedicht. Die Garreyer verstanden aber keinen Spaß und drohten dem Poeten mit einer Privatklage. Darüber erschrak der Schreiber nicht wenig, er verlor die Courage und trat zwecks Entschuldigung den Weg nach Garrey an. Wo er mit Hilfe einiger guter Zigarren und der entsprechenden Flüssigkeit die Sache aus der Welt geschaffen hat.
Doch hier das Gedicht.

Der Chausseebau


Als der Chausseebau begann, wollte die Gemeinde Garrey nicht rann.
Baut Euch die Chaussee allein, wir liefern keine Stein.
So lautete der Gemeindebeschluß, der streng befolgt werden muß.

Die Gemeinde Garrey hat es längst bereut, daß sie die Steinlieferung hat gescheut.
Die Gemeinde Garrey ist jetzt sehr verdrossen, weil sie vom Verkehr jetzt abgeschlossen.
Garrey, wie töricht bist du gewesen, an der Kultur kann die Menschheit erst genesen!

Die Gemeinde Neundorf hingegen war klug und schlau,
sie lieferte Steine und gab Land zum Bau.
Die stets verfluchte Rummel ist jetzt tot, es tat auch wirklich not.

Der alte Rummelweg ist verschwunden, wo Menschen und Pferde sich haben geschunden.
Der alte Rummelweg ist verblichen und auf der Karte gestrichen.
Die Fahrt von Klein Marzehns nach Niemegk war stets eine Tortur.
Solche Wege ihresgleichen fand man in der Sintflut nur.

Auf geradem Weg, ohne Knick und Knie, ist man in Niemegk und weiß nicht wie.
Autos flitzen hin und her, die Pferde scheuen nicht mal mehr.
Bald haben wir die Autopost, die Kultur ist bei uns nicht verrost.

Diesem engstirnigen Denken der Garreyer zur damaligen Zeit haben wir es heute noch zu verdanken, daß Garrey keine Durchgangsstraße hat und von der Welt ein bißchen abgeschlossen ist. Am 14.05.1929 war dann aber in der „Belzig-Reetzer-Wiesenburger Zeitung“ zu lesen, daß die Straße zwischen Garrey und Kleinmarzehns bis auf weiteres wegen Pflasterarbeiten gesperrt ist. Als Verbindungsstraße von Garrey zur Chaussee Neundorf - Klein Marzehns wurde 1976 eine Bitumen Straße durch den „Kissel“ gebaut (LPG-Straße). Der ehemalige Weg war an den Rändern teilweise 2 m tief ausgewaschen.
Auf der Hälfte des ehemaligen Weges ca. in der Höhe der „Garreyer Rummeln“ befand sich zur damaligen Zeit eine kleine Obstplantage, mit Pflaumen-, Birnen- und Apfelbäumen
Durch den Straßenbau im Jahre 1984 entstand in Garrey endlich ein schöneres Ortsbild.. Der Ortsteil Zixdorf erhielt 1988 eine neue Straßendecke, das Kopfsteinpflaster wurde durch eine Betonstraße ersetzt.

Wüstemark ist ein Wohnplatz der Gemeinde Garrey (auf der Feldmark der Wüstung Welsigke). Der Dorffleck liegt ca. 2 km südwestlich von Garrey.