Die Kriegsjahre des 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Am 1. September 1939 begann, mit den Einmarsch in Polen, der 2. Weltkrieg.
Es wurden nicht nur die Menschen gemustert und für tauglich gefunden in den Krieg zu ziehen, sondern auch die Pferde.
Das kräftigste Arbeitspferd zu verlieren traf die Bauern ebenso, als habe  er ein Familienmitglied verloren.

Die Bauernpferde wurden auf Kriegstauglichkeit untersucht und eingezogen.
Viele junge Männer mußten in den Krieg ziehen, etliche sahen ihre Heimat nie wieder
Im Land Brandenburg kam es um Belzig, Treuenbrietzen, Jüterbog,, Brück, Niemegk zu Kampfhandlungen ( diese wurden von Herrn Dalitz in der Chronik über Niemegk
„Niemegk meldet Panzeralarm“, beschrieben).
Am 20. April rückten sowjetische Truppen vor. Die deutsche 12. Armee unter Wenck leistet mit jungen Soldaten Widerstand, als letztes Aufgebot. Es gibt auf beiden Seiten unnötige Opfer, wenn hier und da ein Ort zurückerobert wird. Es wird z. B. gemeldet : „Groß Marzehns ist in Feindeshand, Klein Marzehns wurde wieder freigekämpft, Autobahnkreuz Neundorf - Rädigke in eigener Hand.“
Schon Kinder wurden für den Krieg begeistert, in der HJ (Hitlerjugend), sie wurden in Wehrertüchtigungslagern z. B. als Flackhelfer ausgebildet. Für die Mädchen gab es den BDM (Bund deutscher Mädchen).
Am 22. Juni überfiel Hitler Deutschland, Rußland. Das Schicksal nahm seine Wende. Im Kriegstagebuch des Kommandanten von Belzig war zum Ende des grausamen Krieges folgendes zu lesen: „22. April 1945 - 2 Panzer auf den Weg von Zeuden nach Zixdorf,
24. April - die „Russen“ erobern kampflos Zixdorf. Sie gingen derb gegen die Bewohner vor, besonders gegen die Frauen.
Die Angreifer von Zixdorf verfolgten weiter die Stoßrichtung nach Niemegk. Weiter hieß es vom 24. April - Garrey und Zixdorf vom Feind besetzt. Angriff von Zixdorf auf Niemegk um 14,45 Uhr, mit 4 Panzern und 80 Man Infantrie.
Um Garrey kam es auch zu vereinzelten Kampfhandlungen, besonders in der „Rummel“, wo Widerstandsnester der Wehrmacht den Vormarsch der „Roten Armee“ verhindern sollten. Es wurden Panzersperren errichtet, die von eisernen Parteigenossen befehligt wurden, der Volkssturm wurde eingesetzt, alte Männer und Kinder. Auch im Hohlweg ( Höhe Jahn - Wrücke ) und am Ortseingang von Zixdorf her wurden Panzersperren gebaut. Am 24./25. April 1945 kam vom faschistischen Niemegker Stadtkommandanten, der Räumungsbefehl für Garrey. Die Einwohner verließen ihre Häuser und Höfe mit dem Nötigsten  flüchteten meist zu Verwandt bis nach Buchholz, Reetz. Reuden, Nedlitz.. Schon am 10. Mai 1945 kehrten die meisten Bewohner in ihre geplünderten und teilweise verwüsteten Anwesen zurück. Die zur Zwangsarbeit gezwungenen Polen und auch die in der Schule inhaftierten Serben plünderten und zogen mit fahrbaren Untersätzen in ihre Heimat zurück.
Die „Rote Armee“ marschierte in Garrey und Zixdorf ein. Es gab viele unschöne Begegnungen mit ihnen. Die Frauen des Dorfes mußten sich nachts im Wald oder hohem Mais vor den „Russen“ verstecken. Es gab viele brutale Vergewaltigungen. Damit aber noch nicht genug, so um den 25./26. Mai 1945 kam es zu Denunzierungen durch einen Dorfbewohner. Viele Männer wurden von den „Russen“ abgeholt und in ein Arbeitslager bei Cottbus gesteckt. Nur einer kam zurück. Ein anderer Einwohner flüchtete in eine Feldscheune, die abbrannte. Mit schweren Verbrennungen kam er ins Dorf zurück. Erschossen fand man einen weiteren Bürger, einen Umsiedler, im Spritzenhaus.
In den größeren Orten z. B. auch in Raben wurden Kommandanturen eingerichtet. Es zog langsam wieder Ordnung ein. Die eigenen russischen Soldaten wurden, wenn sie sich ungebührend benahmen hart bestraft.

Damit war für Garrey der Krieg , „des tausendjährigen Reiches“ beendet. Doch jetzt begann das große Warten auf den Ehemann oder Sohn, die noch als Soldaten oder Kriegsgefangene festgehalten wurden. Doch viele warteten vergebens. Sehr viele mußten ihr Leben für diesen sinnlosen Krieg lassen.
Gefallen „Für Führer und Vaterland“ sind :
Gerhard Wolff     geboren 1914     gefallen 1942  28 Jahre
Fritz Grünthal    geboren 1909     gefallen 1942  33 Jahre
Walter Rettig      geboren 1924     gefallen 1942  18 Jahre
Herrmann Kase   geboren 1912     gefallen 1942  30 Jahre
Walter Hahn       geboren 1922     gefallen 1943  21 Jahre
Walter Schiering geboren 1915     vermißt in Frankreich
Paul Schiering    geboren 1912     gefallen 1940  28 Jahre
Paul Ulemann.
In Zixdorf fanden deutsche Soldaten in einem Massengrab ihre letzte Ruhe. Namentlich sind sie nicht bekannt. Frau Tschimmel aus Zixdorf hat jahrelang die Gedenkstätte gepflegt.
Doch dann endlich. am 8. Mai 1945 wurde mit einem 10 - minütigen Glockenläuten allerorts dem Kreigsende gedacht, auch in Garrey. Der grauenvolle 2. Weltkrieg war zu Ende, der Faschismus besiegt

Überfall in Garrey
Geschichte von Dr. NIEPELT /Landarzt in Niemegk 1945 - 1949, nacherzählt aus dessen Episoden aus der Landdoktorzeit, „Was, Sie kennen den Fläming nicht?“
„Fräulein Kase aus Garrey rief an und bat um seine schnelle Hilfe. Das Dorf sei überfallen worden.
Eine Viehräuberbande hat alle Männer mit vorgehaltener Schußwaffe bedroht und in einer Waschküche eingesperrt und bewacht. In aller Eile wurden Kühe, Kälber und Schweine geschlachtet, und auf den mitgebrachten LKW verladen. Wer sich zu währen versuchte, wurde zusammengeschlagen, wie der Nachtwächter ( Herr König - jetzt in Zixdorf lebend ) er hat zwei Platzwunden im Gesicht und am Schädel. Mehrere Männer waren noch verletzt und Vater Kase war zusammengebrochen. Die Männer wurden vom Doktor ärztlich versorgt und Herrn Kase ging es auch schon wieder besser. Nur der Nachtwächter, der hatte ordentlich was abbekommen.. Er wurde von Doktor Niepelt mit seinem alter klapprigen Auto „Fridolin“ bei Schneesturm nach Treuenbrietzen ins Krankenhaus gebracht, dessen Wunden sollten doch lieber im Krankenhaus versorgt werden um eventuelle Knochenbrüche nicht zu übersehen. „Jedoch der harte Bauernschädel des noch recht jugendlichen Nahkämpfers hat glücklicherweise nichts Ernstliches abbekommen , wie festgestellt wurde.“
Ein Jagdkommando der Roten Armee hatte die Verfolgung der Räuberbande aufgenommen, diese wurde jedoch durch das große Schneetreiben erschwert. Im Dorf war wieder Frieden eingekehrt.

Umsiedler im Dorf
Die Einwohnerzahlen unserer Dörfer erhöhten sich nach dem Krieg zusehends. So hatte Garrey 1939 166 Einwohner und nach dem Krieg 334, in Zixdorf waren erst 92 und danach 205 Einwohner. Alle wollten untergebracht werden und wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.  Die Umsiedler kamen nur mit wenig Hab und Gut, hatten grausames erlebt und suchten Schutz um am Leben zu bleiben. Nach langer Flucht fanden viele von ihnen eine neue Heimat in Garrey und Zixdorf. Einige nur vorübergehend und einige blieben. Sie machten sich seßhaft und gründeten Familien. Alles, was irgendwie bewohnbar war wurde als Unterkunft hergerichtet.
Im Protokoll der Gemeindevertretersitzung IV 162 von 1948-1950 konnte man lesen:“ 38 Umsiedler mußten ein- und umquartiert werden. Es wurden 10 Bettstellen und Schränke gebaut und 120 Haushaltsgegenstände gesammelt. Sämtliche Umsiedler wurden mit Brennholz versorgt. Die  Schule erhielt ebenfalls Brennholz ( welches aus dem Gemeindewald genommen wurde,
( Zixdorf sollte 40 % liefern ) und wurde zum größten Teil mit Fenster versehen. Die Kleinbauern trugen vor, daß sie weder Kartoffeln noch Brotgetreide haben. Der Bürgermeister erwiderte darauf, daß „Brotmarken“ beim Landratsamt beantragt wurden. Diese müssen aber noch bewilligt werden. Es wurde ebenfalls beschlossen, daß die Neubauten für die Umsiedler unbedingt 1948 noch beendet werden sollen. Der Bürgermeister fordert alle Bewohner auf tatkräftig mitzuhelfen. Altbauern stellen freiwillig Land für Baustellen zur Verfügung.“ Bürgermeister zur damaligen Zeit war Gerhard Schulze.
Die Umsiedler arbeiteten bei dem Bauer, bei dem sie wohnten, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Die Alteinwohner reagierten unterschiedlich, doch die meisten halfen, obwohl sie ja kaum selbst etwas hatten. Die gegenseitige Hilfe erleichterte das Hineinwachsen in die Dorfgemeinschaft und tröstete etwas über den Verlust der Heimat hinweg.  Einige erhielten eine Neubauernstelle nach den Gesetzen der Bodenreform von 1945. Hermann Kase hatte über 100 ha an Wald und Ackerland und wurde somit nach den damals geltenden Gesetzen enteignet. Sein Land wurde an die Neubauern, Olga Manteufel, Emil Zielke, Johann Kühn, Wilhelm Schröder, Jonathan Bauer und an landarme Bauern verteilt (siehe Bodenreform).