Das 17. Jahrhundert

Anno 1636 war das große Pest - und Totenjahr, dazu kam noch die rote Ruhr, Fleckfieber und andere böse Krankheiten. Die Hungersnot war sehr groß. Weil auch das Vieh teils vom Feinde weggetrieben und abgeschlachtet wurde, spannten sich einige Leute selbst vor den Pflug, um wenigstens soviel umzuackern, daß es für das Nötigste reichte. Der Scheffel Korn galt 3 bis 4 Thaler und war schwer zu bekommen. Hierzu kam anno 1638 die Mäuseplage, welche die Saat auf den Feldern verzehrten, Raupen nagten an den Bäumen, so daß sie verdorrten. ( So war es in der Belziger Chronik von Eilers zu lesen.)

 

 „Garrey lag 12 Jahre ganz ledig, öde und wüst ist über die Hälfte abgebrannt, die übrigen Gebäude aber sind ganz und gar in Klump gefallen und kein Untertan am Leben geblieben.“
Das Bild, das hier mit wenigen Worten die Not des Dorfes beschriebt, ist so erschütternd, daß wir kaum imstande sind den damaligen Zustand uns auszumalen. Und weiter heißt es:
„Das Schreckensjahr 1636 hat das Dorf, das vor dem Krieg ( 30 jähriger Krieg 1618-1648 )
12 Bauernwirtschaften und 2 Kossäten Gehöfte zählte, vollständig vernichtet. Die rund 100 Einwohner wurden zum großen Teil erschlagen, von den geflohenen kamen viele um, kein einziger kehrte in sein Heimatdorf zurück.“
 „Darum ist es kein Wunder, daß nach Kriegsende, als das Dorf wieder aufgebaut wurde, vollständig neue Namen auftauchten. Der Wiederaufbau, der von dem Belziger Amt in Angriff genommen wurde, dauerte 30 Jahre. Es ist kaum anzunehmen, daß sofort bei Kriegsende 1648 damit begonnen wurde. Trotzdem ist es erstaunlich, daß 1682 nur noch eine Wirtschaft unbesetzt ist. Jeder Neuanbauer erhielt 6 Freijahre, d. h. Befreiung von allen Abgaben und Leistungen an das Amt während dieser Zeit. Im Jahre 1682 wurde ein Bericht von dem Dorf durch das Amt aufgestellt und von jeder Wirtschaft der Zustand aufgeschrieben.“

 

Für die heutigen Besitzer dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, was ihre Vorfahren durchgemacht haben und wie schwer der Anfang gewesen ist.

 

So besaß:
der Schulze = 5 Dorfhufen, 1 Welsigker Hufe. Er hat kein Wohnhaus, der Acker ist bebuscht und wüst,
Hüfner Peter Hehne = 2 Dorfhufen, 3 Welsigker Hufen; ein Neuanbauer, ist bis 1688 von Abgaben befreit,
Halbhüfner Peter Hannemann = 2 Dorfhufen; hat schlechte Gebäude und der Acker ist verbuscht,
Hüfner Martin Heinitz = 2 Dorfhufen, 2 Welsigker Hufen; hat kein Wohnhaus, der Acker ist sehr unrein.,
Kossät Andreas Bölligken, Haus in schlechtem Zustand, Acker sehr unrein,.
Hüfner Hannß Truschke = 3 Dorfhufen; ein neuer Anbauer, ihm mangeln Ställe, Acker ist noch unrein,
Kossät Martin Petzsch, hat wenig Vermögen
Hüfner Brose Hermann = 2 Dorfhufen, 1 Welsigker Hufe, bis 1685 von Abgaben befreit,
Hüfner Martin Hahn = 3 Dorfhufen, bis 1684 von Abgaben befreit,
Hüfner Martin Gips = 2 Dorfhufen, ein neuer Anbauer, hat schlechte Mittel, ihm mangeln noch Ställe, Acker ist verbuscht,
Hüfner Matthes Schmehl = 2 Dorfhufen, 4 Welsigker Hufen; ein neuer Anbauer, bis bis 1685 von Abgaben befreit,
Hüfner Brose Hermann = 2 freie Dorfhufen, 1 Welsigker Hufe; liegt noch ungenutzt,
Hüfner Hannß Schmehl = 3 Dorfhufen, die Gebäude sind noch unvollständig, der Acker ist unrein,
Hüfner Georg Schmehl = 3 Dorfhufen, ein neuer Anbauer, wohnt im Stall, der Acker ist noch sehr verbuscht,

Diesen Aufzeichnungen ist zu entnehmen welche schweren Zeiten unsere Vorfahren vor 300 Jahren durchmachen mußten. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse ist durch die Tatkraft und den Fleiß der Menschen aus Garrey ein ansehnliches Dorf geworden. Dieses war in einer Ausgabe der „ZFH“ vom 24.11.1939, 6/22 zu lesen.

Einige Notzeiten auch für Zixdorf
In einem Artikel der „Zauche und Fläming Heimat“ vom Jahre 1944 11/2 war folgendes über Zixdorf zu lesen:

 

„Im 30-jährigen Krieg war Zixdorf vollständig verwüstet worden. Vor dem Krieg besaß das Dorf 7 stattliche Bauernwirtschaften. Als der Krieg zu Ende ging war kein einziges Gehöft mehr gewahrt.“

 

„Das Dorf hat 10 Jahre öde und wüst gestanden, kein Untertan mehr am Leben, die Gebäude gehen sehr ein“, heißt es in einer Nachricht aus dem Jahre 1647. Nur langsam erhob sich das Dorf aus Schutt und Asche. Das Amt Belzig war bestrebt, das Dorf wieder zu besitzen. Erst aus dem Jahre 1682 erfahren wir Näheres über den Wiederaufbau. Sämtliche Gehöfte sind wieder besetzt, aber die Gebäude sind erst teilweise aufgebaut, die Acker noch nicht alle wieder unter den Pflug genommen. Da ist zunächst die Schulzenwirtschaft (heute Witwe Schubotz) mit 4 Lehnhufen auf der Dorfmarke und 1 Hufe auf Flur Kardeleben. Der Schulze hat auch den Mühlenhof bei Rädigke in Besitz. Der Hüfner Moritz Lipsdorf (der Hof ist heute noch in Besitz der Familie Lipsdorf) besitzt 1 ¾ Lehnhufen und 1 ¼ Erbhufen auf der Dorfmark und 2 Hufen auf Kardeleben. Sein Acker sind noch sehr verbuscht. Viel schlimmer sieht es um den Nachbar Andreas Müller (jetzt Paul Schubotz) aus. Er hat 2 ½ Erbhufen in der Gemarkung des Dorfes und 3 Hufen auf Kardeleben. Er ist „ein armer, unvermögender Mann und neuer Anbauer, hat noch kein Wohnhaus“. Der Hof von Andreas Thiele ( heute noch in Besitz der Fam. Thiele) ist zwar wieder aufgebaut , sein Acker ist sehr verbuscht. Zu seiner Wirtschaft gehören 2 Hufen ( ¼ Lehnhufen ) und 2 Hufen auf Kardeleben. Martin Böligke, ein neuer Anbauer, ist bei geringen Mitteln, hat noch kein Wohnhaus. Acker ist verbuscht. Ihm gehören zwei Dorfhufen und 4 Hufen auf Kardeleben. Nach der Aufzählung in der Liste scheint es sich hier um die Wirtschaft des Ortsbauernführes Schulze zu handeln, denn bei der Aufzählung wird vor den letzten beiden Hüfnern erst der Kossät Daniel Körnigk genannt. Zwei Bauernhöfe lagen in alter Zeit an der Ostseite des Dorfes, es waren die Wirtschaften des Bürgermeisters Höhne und Bauern Schiering (jetzt geteilt)
Diese beiden Höfe müssen 1682 im Besitz von Peter Schubotz und Peter Schüler gewesen sein, deren Acker damals ebenfalls noch verbuscht war. Peter Schubotz besaß 2 Lehnhufen in der Dorfmark und 4 Hufen auf Kardeleben. Peter Schüler 2 Dorfhufen und 3 Hufen aud Kardeleben. Außer den 7 Bauern und 1 Kossät wohnten damals noch 1 Hirt im Dorf.
Wenn wie bedenken, daß 34 Jahre nach dem Friedensschluß immer noch zwei Bauern vorhanden sind, die kein Wohnhaus haben, daß alle Äcker „verpuscht“ sind, so können wir uns vorstellen, wie schwer die Daseinbedingungen gewesen sind, unter denen die damaligen Einwohner von Zixdorf leben mußten.