Das 19. Jahrhundert

In jedem Jahrhundert gab es Schicksalsschläge für die Orte.
Ganz auffallend ist, daß sich die Bevölkerungszahl in Garrey sich so gut wie gar nicht in den letzten Jahrzehnten verändert hat. 1861 waren hier 181 Einwohner und 1912, 187 Einwohner.1861 umfaßte die Gemarkung 1282 Morgen, hinzu kamen noch 22 Morgen Gartenland und 4 Morgen Wiese. Auf 21 Gehöften gab es 34 Pferde, 140 Stück Rindvieh und 999 Schafe. Daraus geht hervor, wie bedeutend damals in Garrey die Schafzucht war.
In einem Artikel der „Zauche und Fläming Heimat“ vom 30. 04 1937 war unter dem Artikel „Das Dorf Garrey vor 50 Jahren“ unter anderem folgendes über Garrey zu lesen: „ Das Dörfchen Garrey liegt auf der Wasserscheide zwischen Havel und Elbe ( im Kessel ). In der Dorfmitte ist eine Insel. Auf dieser steht die Kirche, daneben das Schulhaus und auf der anderen Seite die Schmiede. Das Dorf zählt 1887 -11 Hüfner, die heute noch alle ihre Betriebe bewirtschaften, 2 Kossäthen, 7 Büdner, 2 Gasthöfe und die Dorfschmiede. Warum hatte dieses kleine Dörfchen zwei Gasthöfe ? Ich ließ mir berichten, daß im Orte es zwei Parteien gegeben hatte. Sämtliche Bauern wollten einen Gasthof haben. Der Mühlenbesitzer hatte die Schankgerechtigkeit schon lange inne. Er behielt sie weiter.

Heute ist sie nicht mehr mit seinem Grundstück verbunden. Wir haben heute nur einen Gasthof dort, den sich die eine Partei im Dorfe gesichert und erkämpft hatte. Der Wirt des Dorfgasthofes war ein berühmter Mann im Fläming. Er war im Nebenberuf „Viehdoktor“. Bei Geburten soll er tüchtig gewesen sein. Er heilte alles mit einer Medizin, die er gleich mitbrachte. Außerdem war er Heiratsvermittler. Manchem Flämingbauern hat er ein Weib verschafft. Er hatte auch einen Spitznamen, „Donnerlüttchen“, was er hinter jedem dritten Satz sagte. Gastwirt Wilhelm Schulze - so hießen alle beide Gastwirte von Garrey - I, wie sich der Dorfgastwirt bezeichnete, erbaute eine eigenartige Kegelbahn. An einem aufgestellten Mast mit einem Arm, war an letzten an einer Kette eine Kugel angebracht. Unten standen auf einem Brett die neun Kegel, und wer nun das Glück hatte, recht viel Kegel zu treffen, war der Kegel der Kegeltage. Einmal kegelte er ein Fohlen aus. Die Folge davon war eine Klage. Es sollen beim Kegeln gemogelt worden sein.1895 am 16. Juni wurde auch einmal ein Regulator ausgekegelt. „ZBK“
In der Ernte, wo viele fremde Mäher in Garrey waren, veranstaltete Wilhelm Schulze I einmal einen Theaterabend mit einem gleichgesinnten Freund von außerhalb, wie uns berichtet wurde. Ein Vorhang war gezogen in der Gaststube, das Eintrittsgeld bezahlten die Bauern für ihre Arbeiter. gezeigt werden sollte: „Betrug der Welt, oder die Flucht durchs Fenster“. Das Stück sollte steigen. Der Vorhang öffnete sich nicht. Als man hinter diesen sah, war alles leer. Der Freund war mit der Kasse durchs Fenster verschwunden. Man lachte über diesen Reinfall“ Betrug der Welt - die Flucht durchs Fenster“.


Die Großspänner hatten damals ihre Niederlassung in der Schmiede. Hier trafen sie sich allabendlich in ihren Pelzen, spielten Karten, bezahlten Lichtgeld. Der Pelz spielte eine große Rolle. Ihn zu besitzen, danach trachteten alle Kutscher. Zum Kirschner zum Einmotten brauchte er jedoch nicht. „Jeder Fläminger nach seiner Art. Trug seinen Pelz bis Himmelfahrt, und kam ihn noch ein Grimmen an, dann trug er ihn bis St. JOHANN. Und tat ihm dann der Bauch noch weh, so trug er ihn bis Bartolomä. Und fing ihn dann zu frieren an, dann zog er ihn von neuem an.“
Das Schlachtefest wird immer noch gefeiert. Da werden Freunde eingeladen. Es galt beim Schlachten schon immer der alte Spruch: „Wenn das Schwein auf der Leiter hängt, wird erst einmal einer eingeschenkt. Ist das Schwein zerschnitten, hat die Flasche schon mächtig gelitten.“
Es wurde Karte gespielt und gegen ½ 10 Uhr erschien Mutter mit gefülltem Wurstteller und einem Napf voll Backobst. Ein Messer mußte sich jeder mitbringen, nur der Schulmeister der immer dabei war erhielt eines geliefert.
( Dieses war Erlebtes und Erlauschtes von Krüger aus Mörz 1887 ).

 

Einige Nachrichten

Über Zixdorf konnte man zur damaligen Zeit berichten:
„Nach dem Gefecht um Hagelberg am 27. August 1813 soll Zixdorf geplündert worden sein. Auf dem Friedhof befindet sich noch ein Massengrab mit gefallenen Franzosen von 1813“.
( Quelle: Zauch und Fläming Heimat 1944 )

In der „Geschichte der Kreisstadt Belzig“ von Dr. Johann Carl Brandt aus dem Jahre 1837 konnte man über Garrey lesen: „Garrey ist ein altes Dorf der Fläminger, 3 Stunden südlich von Belzig, links an der Straße nach Wittenberg, die von Niemegk durch dieses Dorf führt. Hat 18 Häuser, 162 Seelen und 37 Hufen mit eigener Trift und der wüsten Mark (Welsigk) oder Welsigker Hütten, Filial von Rädigke mit einem Catechisten, dessen Stelle der Superintendent in Belzig besetzt. Im 30-jährigen Krieg hatte es mit Groß- und Klein Marzehns das gleiche Schicksal.“

Im gleichen Buch läßt sich über Zixdorf lesen „Das Dorf liegt nicht weit rechts von Hohenwerbig, 1 Stunde südlich von Niemegk in der Nähe des Springberges und hat 9 Häuser, 78 Seelen, 27 Hufen mit einer wüsten Mark Cardeleben und wenig Holz. Filial von Hohenwerbig. 1648 war daselbst kein Einwohner vorhanden, so verwüstet lag es.“

Im „ZBK“ vom 3.04.1895 war zu lesen, daß Erdarbeiten für den Bau der Kreischaussee, die von Niemegk über Zixdorf und Boßdorf bis zur Kreisgrenze in Richtung auf Kerzendorf führt, begonnen werden soll.

Ebenfalls wurde im „Zauch-Belziger-Kreisblatt“ (ZBK) vom 19.07.1899 eine Mitteilung des Landrates von Tschirschky veröffentlicht, in der er folgendes bekannt gab: „Durch den am Sonntag in der Nähe von Niemgk niedergegangenen Wolkenbruch ist die Brücke auf der Chausseestrecke zwischen Niemegk und Zixdorf vollständig zerstört und für jeden Verkehr vollständig unpassierbar geworden. Fußgänger können indessen neben der Brücke über den Bach gehen, während der Verkehr für Wagen und Pferde über Hohenwerbig genommen werden muß.“ Am 22. 07 1899 wurde dann bekannt gegeben, daß die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben ist

Einen Rezeß zur Schweinehütung gab es in Garrey 1877:

Derzeit führte Ferdinant Belger Mühlenbesitzer zu Garrey einen Rezeß gegen die anderen Mitbenutzer der „Schweinebrache“. Diese Fläche umfaßt 11,38 ha, es wurde die Rainkarte der Feldmark Garrey/ Wüste Marke von 1846 zu Hilfe genommen.
Es ging bei dieser Auseinandersetzung um das Nutzungsrecht der „Schweinebrache“ und um den Weg (Treibeweg) der Tiere, der über das Land von Ferdinand Belger führte. Das Resultat dieses Rezeß war, daß jeder Besitzer berichtigt war seine Schweine auf die „Schweineweide“ zu treiben, die ausschließlich zu diesen Zwecken genutzt werden soll.  Das Nutzungsrecht hatten 11 Hüfner und 2 Kossäthen.
Die „Schweinebrache - Schweineweide“ liegt parallel zur „Neundorfer Rummel“, nördlich von Garrey.